Europameisterschaft in der Ukraine

Fußballfunktionäre und Politiker diskutieren über einen Boykott der Europameisterschaft in der Ukraine. Ist diese Form der politischen Einflussnahme Ihrer Meinung nach geeignet, um auf Missstände aufmerksam zu machen?

Durch die Kommerzialisierung getrieben, werden für sportliche Großveranstaltungen immer wieder Länder mit unzureichenden rechtsstaatlichen Standards ausgesucht. Wer betriebswirtschaftliche Fußball-Weltmeisterschaften nach Katar und Russland (die FIFA), Olympische Sommerspiele nach China (der IOC) oder Eishockeyweltmeisterschaften nach Weißrussland (der IIHF) vergibt, weiß von sich aus auch um die Menschenrechtssituation in diesen Staaten. Die Vergabe von Austragungsorten obliegt den Sportverbänden. Wir sollten ihnen mehr Ehrlichkeit und Courage abverlangen, auch einmal gegen die Interessen ihrer auf neue Märkte erpichten industriellen Werbepartner zu entscheiden.

Warum aber debattieren wir erst jetzt darüber? Spätestens seit der Orangenen Revolution 2007 wissen wir, dass der damalige und jetzige ukrainische Präsident Janukowitsch alles andere als ein Demokrat ist. Verantwortliche Politiker sollten ihn bei dieser Gelegenheit nicht auch noch durch ihre Anwesenheit aufwerten. Die Staats- und Regierungschefs müssen aber auch nach dem Abpfiff des EM-Finales den Mut aufbringen, die Zivilgesellschaft vor Ort zu stärken, ein EU-Assoziationsabkommen unter diesen Umständen weiterhin abzulehnen und den Druck auf Janukowitsch aufrecht zu erhalten. Für das Turnier selbst wären womöglich Gesten oder Symbole der Spieler und Trainer noch bedeutsamer als das Verhalten der Politiker. Ich denke da an Argentiniens Weltmeistertrainer von 1978, Carlos Luis Menotti, der den Junta- Generälen bei der Siegerehrung demonstrativ den Handschlag verweigerte und den Titelgewinn der argentinischen Fußball-Nationalmannschaft mit den doppeldeutigen Worten „Meine … Spieler haben die Diktatur der Taktik und den Terror der Systeme besiegt“ kommentierte. Poldi und Co., die zum Beispiel mit orangefarbener Armbinde auflaufen – das wäre ein Zeichen an all jene, die in der Ukraine für Menschenrechte kämpfen.

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