Neue Spielregeln für Börsengeschäfte

In Europa wird der Handel mit Wertpapieren seit 2007 durch die EU-Finanzmarktrichtlinie reguliert. Dabei stehen bisher Geschäfte mit Aktien im Vordergrund. In den vergangenen vier Jahren hat sich an den Börsen in Frankfurt, London oder Paris jedoch einiges getan. Immer häufiger werden die klassischen Händler auf dem Parkett durch Hochleistungscomputer in Rechenzentren ersetzt. Die Börsen sind so zu High-Tech-Spielhallen verkommen. In Europa macht der sogenannte Hochfrequenzhandel bereits 40 Prozent aller Wertpapiergeschäfte aus, in den USA sind es sogar 70 Prozent

Ohne Bezug zur Realwirtschaft verschieben Computer dabei Abermillionen Euro im Millisekundentakt. Ob Kurse steigen oder fallen ist häufig egal. Was zählt ist Geschwindigkeit. Dies geht so weit, dass Rechenzentren möglichst nah an den Handelsplätzen gebaut werden, um die Übertragungsdauer für Daten um Bruchteile von Sekunden zu verringern. Für die Akteure ein Wettbewerbsvorteil gegenüber der Konkurrenz.

Manipulationen des Marktes durch vorgetäuschte Angebote oder Nachfrage sind in diesem Zusammenhang auf Grund der enormen Datenmengen und hohen Geschwindigkeiten kaum nachvollziehbar. Wenn überhaupt werden sie erst bemerkt, wenn die Geschäfte bereits abgewickelt sind. Darüber hinaus verstärkt der Hochfrequenzhandel den Ausschlag der Auf- und Abschwünge an den Börsen. Werden bestimmte Preisschwellen über- oder unterschritten reagieren die Computer automatisch. In der Vergangenheit gab es deshalb immer wieder extreme Kursschwankungen.

Die Politik ist dringend gefordert, den Wertpapierhandel wieder auf den Boden der Realwirtschaft zurück zu holen. Im Herbst will die EU-Kommission nun einen Vorschlag zur Überarbeitung der Finanzmarktrichtlinie vorlegen. Erste Entwürfe deuten darauf hin, dass der Hochfrequenzhandel mittels eines Kurssicherungssystems eingeschränkt werden soll. Extreme Kursschwankungen würden weniger wahrscheinlich.

Ob diese Maßnahme allein ausreicht, ist allerdings fraglich. Denn Kurssicherungssysteme begrenzen vielleicht Extremausschläge, nicht aber den Hochfrequenzhandel an sich. Die sozialdemokratische Fraktion setzt sich daher weiterhin für die rasche Einführung einer Steuer auf Finanztransaktionen ein. Sinkende Gewinnmargen sind das beste Rezept gegen High-Tech-Spekulation.

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