Mehr Rechte für Buspassagiere

Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben. An dieses Motto werden sich künftig auch Busunternehmen erinnern, wenn sie ihre Fahrgäste allzu lange warten lassen. Nach Luft-, Bahn- und Seereisenden erhalten nun auch Buspassagiere in Europa mehr Rechte. Darauf haben sich Vertreter des EU-Parlaments, des Ministerrates und der EU-Kommission nach zwei Jahren zäher Verhandlungen verständigt. Bei Verspätungen von über zwei Stunden, erhalten Busreisende nun gemäß der neuen Verordnung 50 Prozent des Fahrpreises als Entschädigung erstattet. Sollte sich die Abfahrt um mehr als 90 Minuten verzögern und anschließende Reiseverbindungen daher ausfallen, haben Buspassagiere Anrecht auf bis zu 80 Euro für eine Hotelübernachtung.

Der Kompromiss, dem das EU-Parlament nun zugestimmt hat, enthält eine Reihe zentraler Forderungen der sozialdemokratischen Fraktion. So dürfen Busunternehmer in Zukunft alten Menschen oder Reisenden mit Behinderung nicht mehr ungestraft die Beförderung verweigern. Nach dem Willen des Ministerrats, in dem die 27 Mitgliedstaaten vertreten sind, sollten die neuen Rechte nur für Fahrstrecken ab 500 Kilometer gelten. Hier konnte das EU-Parlament immerhin eine Verringerung auf 250 Kilometern durchsetzen. Aus Sicht der sozialdemokratischen Fraktion ist dieser Schwellenwert jedoch nach wie vor zu hoch. Schließlich haben Reisende in flächenmäßig kleinen Mitgliedsländern, wie Belgien oder Holland mit einer Landesgröße von kaum 250 Kilometern keinen Anspruch auf die neuen Passagierrechte. Bei einer möglichen späteren Überarbeitung sollte dieser Punkt unbedingt wieder aufgegriffen werden. Die neuen Fahrgastrechte werden ab 2013 in Kraft treten.