Europa braucht Finanz-TÜV und unabhängige Expertise

Fraktionsübergreifender Aufruf für Gegengewicht zur Finanzmarktlobby

“Europa mangelt es im Finanzmarktbereich häufig an unabhängigem Sachverstand. Ein Großteil der Experten steht bei Banken, Fonds oder anderen Finanzmarktakteuren in Lohn und Brot”, kritisiert der SPD-Europaabgeordnete und Fraktionssprecher für Wirtschaft und Währung, Dr. Udo Bullmann. “Kaum wird ein neues Regulierungsvorhaben diskutiert, melden sich Interessenvertreter der Industrie zu Wort und warnen vor dem Ende der freien Marktwirtschaft. Es gibt jedoch keine neutrale Instanz, um die Behauptungen der Lobbyisten zu überprüfen”, so der SPD-Europaabgeordnete Peter Simon.

Bullmann und Simon sehen die EU-Kommission in der Pflicht, hier Abhilfe zu schaffen. Drei Punkte sind den Sozialdemokraten in diesem Zusammenhang besonders wichtig: mehr finanzielle Mittel für unabhängige Experten, eine ausgewogenere Zusammensetzung von Expertengruppen der EU-Kommission sowie die Einführung eines Produkte-TÜVs zur unabhängigen Überprüfung von Finanzprodukten.

“Sowohl Verbraucher als auch politische Entscheidungsträger brauchen verlässliche Informationen von neutraler Seite. Dies wird jedoch nur gelingen, wenn es ein echtes Gegengewicht zum Einfluss der Finanzlobby gibt”, hebt Bullmann hervor. Um die Diskussion in Gang zu bringen, haben die beiden Europaabgeordneten nun gemeinsam mit Kollegen einen fraktionsübergreifenden Aufruf unterzeichnet, der vor einem zu großen Einfluss der Industrie auf die Gesetzgebung warnt.