Zocker an die Leine legen

Die EU-Kommission will Spekulanten stärker an die Leine legen. Entsprechende Gesetzesvorschläge hat EU-Binnenmarktkommissar Michel Barnier in der vergangenen Woche präsentiert. Im Mittelpunkt stehen dabei Leerverkäufe und der Handel mit Derivaten.

Bei Leerverkäufen leihen sich Spekulanten Wertpapiere und verkaufen sie an der Börse. Vor der fälligen Rückgabe hoffen sie, die Papiere zu einem günstigeren Preis wieder zurückzukaufen. Manche Spekulanten verkaufen sogar Papiere, die sie noch gar nicht besitzen. Wichtig ist aus Sicht der Zocker nur, dass der Preis am Ende fällt. Denn das bringt Gewinn. Spekuliert wird gegen Unternehmen, Währungen oder ganze Volkswirtschaften.

Bei Derivaten handelt es sich um Termingeschäfte. Käufer und Verkäufer vereinbaren einen festen Preis für eine Ware, ein Produkt oder auch eine Währung. Geliefert wird jedoch erst zu einem späteren Zeitpunkt. Mit fast 500 Billionen Euro hat der globale Derivatemarkt inzwischen ein gigantisches Volumen erreicht. Das entspricht mehr als dem zehnfachen Wert aller erzeugten Waren, Güter und Dienstleistungen – weltweit wohlgemerkt. Da viele Geschäfte zwischen Käufer und Verkäufer direkt abgewickelt werden, ist der Markt völlig undurchsichtig, die Risiken kaum kalkulierbar.

Sowohl Leerverkäufe als auch der Derivatehandel haben erheblich zur Beschleunigung und Verschärfung der Finanzmarktkrise beigetragen. Wir Sozialdemokraten fordern deshalb seit langem, diesem Wildwuchs auf den Finanzmärkten einen Riegel vorzuschieben. Geraten Unternehmen oder ganze Volkswirtschaften durch schädliche Leerverkäufe ins Wanken, müssen Verbote erfolgen. Darüber hinaus ist es von zentraler Bedeutung, dass alle Leerverkäufe wie auch der Handel mit Termingeschäften registriert werden. Nur so können sich Aufsichtsbehörden ein Bild von der Lage verschaffen und notfalls eingreifen.

Die Vorschläge der EU-Kommission gehen in die richtige Richtung, bedürfen jedoch der Nachbesserung. Nicht akzeptabel ist, dass die Regulierung von Rohstoffspekulationen insbesondere im Lebensmittelbereich auf die lange Bank geschoben werden. Denn schon heute treiben Zocker die Preise an den Rohstoffmärkten wieder in die Höhe. Jeder Tag des Nichthandelns in Europa vergrößert somit das Leid der Ärmsten in der Welt.