Scheidung auf europäisch

In Schweden lässt sich eine Scheidung mühelos auf dem Postweg erledigen. Bereits nach sechs Monaten kann man dort wieder getrennte Wege gehen. In Belgien hingegen wird die Scheidung erst ausgesprochen, wenn die Partner mindestens zwei Jahre getrennt leben, in Irland sind es gar vier Jahre. Im katholischen Malta wiederum will der Eheschwur gut überlegt sein. Denn er gilt unwiderruflich auf Lebenszeit.

Mit dem Zusammenwachsen Europas steigt auch die Zahl der Scheidungsfälle zwischen Bürgern verschiedener Länder. Europaweit trennen sich alljährlich rund 170.000 internationale Paare. Allein in Deutschland sind es über 30.000. Bei binationalen Scheidungen herrscht oft Unklarheit über den Gerichtsstand und das anzuwendende Scheidungsrecht. Aber auch Unterhaltsforderungen und Regelungen zum Sorgerecht für Kinder sind in der EU höchst unterschiedlich geregelt. Problematisch war bisher, dass ein Partner oftmals das Land mit den für ihn günstigsten Bedingungen auswählte. Und dies ging in vielen Fällen zu Lasten der Kinder.

Eine gesamteuropäische Regelung zur Vereinfachung grenzüberschreitender Scheidungen war bisher am Widerstand Schwedens gescheitert. Zehn Mitgliedstaaten einigten sich daraufhin, untereinander gemeinsame Regeln einzuführen. Deutschland ist in der Frage endlich aufgewacht und hat als elftes Land einen Antrag gestellt. Der Gesetzesvorschlag räumt den Betroffenen ein größeres Wahlrecht ein. Demnach können die Eheleute selbst bestimmen, ob sie nach dem Recht eines ihrer Herkunftsländer oder dem ihres Wohnsitzes geschieden werden. Können sich die Partner nicht einigen, greifen die Regelungen des Landes zu dem das Paar die stärksten Verbindungen hat. Von der Regelung betroffen sind nicht nur Paare unterschiedlicher Nationalitäten, sondern auch Eheleute gleicher Nationalität, die aber im europäischen Ausland leben. Es bleibt zu hoffen, dass sich künftig weitere Mitgliedstaaten dem Vorhaben anschließen werden, um mehr Rechtssicherheit und Klarheit für den leider oftmals eintretenden Scheidungsfall zu schaffen.