Unser täglich Brot

Pro Jahr verzehrt jeder Deutsche rund 85 Kilogramm an Backwaren. Im EU-Vergleich, aber auch weltweit zählen wir damit zu den Spitzenreitern. Die kulinarische Vielfalt zeigt sich nicht zu letzt in über 300 verschiedenen Brotsorten. Kein Wunder also, dass sich die Gemüter von Bäckern und Brotliebhabern erhitzen, wenn sie eine Bedrohung für das beliebte Grundnahrungsmittel vermuten. Das nämlich haben Medienberichte und Bäckerverbände in den vergangenen Wochen suggeriert.

Angeblich plane die EU-Kommission eine Kampagne gegen das deutsche Brot und wolle den Salzgehalt in selbigem drastisch reduzieren. Ein Anschlag auf die deutsche Backtradition oder gar eine verdeckte Unterstützung für das französische Baguette und das italienische Ciabatta wird vermutet. Jedoch weit gefehlt. Der strittige Verordnungsvorschlag der EU-Kommission diktiert weder den Salzgehalt in deutschem Brot noch ein Verbot heimischer Backwaren aus gesundheitlichen Gründen.

Vielmehr geht es darum festzulegen, unter welchen Voraussetzungen Lebensmittelhersteller bestimmte nährwert- oder gesundheitsbezogene Angaben machen können. Damit will die Kommission verhindern, dass etwa fetthaltige Chips als “gesund” oder Zuckerwatte als “konzentrationsfördernd” vermarktet werden. Ziel ist es, die Verbraucherinnen und Verbraucher vor unlauterer Lebensmittelwerbung zu schützen.

Anhand von Nährwertprofilen sollen Lebensmittel gemäß ihres Salz-, Fett- und Zuckergehalts eingestuft werden. Überschreitet ein Produkt den festgelegten Grenzwert, greift eine Kennzeichnungspflicht. Allerdings nur, wenn die Hersteller ausdrücklich in ihrer Werbung für das Produkt auf eine “gesundheitsfördernde Wirkung” oder “nährwertbezogene Vorteile” Bezug nehmen. Etwa wenn sie eine Limonade mit hohem Zuckergehalt als “light” bezeichnen würden. Diese müsste dann mit dem Hinweis “Hoher Gehalt an Zucker” versehen werden. Davon wären theoretisch auch deutsche Brotsorten betroffen, die als “gesund” beworben werden, gleichzeitig aber einen hohen Salzgehalt aufweisen.

Die EU-Kommission hat jedoch bereits klar gestellt, dass es bei “traditionellen Produkten” Ausnahmen bezüglich der nährwert- und gesundheitsbezogenen Angaben geben soll. Demnach fällt beispielsweise das deutsche Vollkornbrot nicht unter die Nährwertprofile. Unsere Bäcker können also weiterhin ihr Hand- und Kunstwerk betreiben und wir ihre Produkte genießen. Europa steht weder ihnen noch uns dabei im Weg.

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