Perspektive für "Generation Praktikum"

Drei Monate in einer Werbeagentur, sechs Wochen in einer Unternehmensberatung oder ein halbes Jahr bei einer Zeitung – das Absolvieren von Praktika ist für junge Menschen heute unverzichtbar. Es ist mittlerweile ein fester Bestandteil bei der Vorbereitung auf das spätere Berufsleben und wichtiger “Türöffner” für die Arbeitswelt. Problematisch ist allerdings die zunehmende Zahl der unbezahlten und unterbezahlten Praktika. Gleichzeitig gibt es immer mehr junge Menschen, die ein Praktikum an das nächste reihen, ohne dass sich daraus berufliche Perspektiven ergeben. Bei Hochschulabsolventen ist häufig ungewiss, ob die Zeit in einem Unternehmen am Ende tatsächlich zu einer festen Anstellung führt. Denn nur einer von zehn Praktikanten erhält letztlich eine Festanstellung.

Für viele Unternehmen sind Praktikanten nichts anderes als billige und willige Arbeitskräfte. Wer beschwert sich schon über schlechte Bezahlung oder lange Arbeitszeiten, wenn er auf Jobsuche ist? Und so werden nicht wenige Praktikanten ausgebeutet, obwohl ihnen gleichwertige Verantwortung wie festangestellten Beschäftigten übertragen wird. Hinzu kommt, dass in den vergangenen Jahren fast jede zweite Neueinstellung nur befristet erfolgte. Nicht nur Berufseinsteigern fehlt damit eine langfristige Entwicklungsperspektive. An Familiengründung oder Eigentum ist unter diesen Voraussetzungen nicht zu denken.

Europa muss daher dringend handeln, um die Chancen junger Menschen auf dem Arbeitsmarkt zu verbessern. Bisherige Bemühungen der “Generation Praktikum” eine echte Perspektive im Berufsleben zu verschaffen, waren allerdings nur mäßig erfolgreich. Es ist nicht leicht, auf Gewinn ausgerichtete Akteure zum Umdenken zu bewegen. Wir müssen daher in der EU Rahmenbedingungen schaffen, die eine anständige Behandlung und Bezahlung von Praktikanten zur Regel machen.

Wir Sozialdemokraten im EU-Parlament setzen uns für eine “Praktikanten Charter” ein, die faire Beschäftigungsbedingungen festlegt. Das Europäische Parlament und seine Abgeordneten aber auch die europäischen Institutionen können hier mit gutem Beispiel voran gehen, indem sie ihre Praktikanten angemessen entlohnen. Denn nur so erhalten junge Menschen eine faire Perspektive für ihren Einstieg in die Berufs- und Arbeitswelt.