"Beispiel Sell zeigt, wie dringend notwendig saubere Finanzmarktregulierung ist"

In einer Solidaritätsadresse an die streikende Belegschaft des Herborner Flugzeugküchenherstellers Sell erklärt der hessische SPD-Europaabgeordnete Dr. Udo Bullmann: „Die Situation bei Sell macht deutlich, wie wichtig wirksame Instrumente zur Kontrolle der Finanzmärkte und seiner Akteure in Europa sind. Europa muss den Heuschrecken endlich zeigen, wo es langgeht und sie nicht dazu einladen, ihr Unwesen zu treiben. Es darf nicht länger sein, dass profitgierige Investoren gesunde Unternehmen mit geliehenem Geld aufkaufen, ihnen dann ihre Schulden aufdrücken, um sie anschließend wie eine Zitrone finanziell auszupressen.“

Hinter Sell stehen die mittlerweile größtenteils verstaatlichte Royal Bank of Scotland sowie ein geschlossener Investmentfonds. Trotz guter Auftragslage und soliden Geschäftsergebnissen von Sell wollen sie nun über 350 Jobs streichen. „Anstatt in den produktiven Standort zu investieren, werden die Gewinne seit Jahren systematisch abgezogen. Von nachhaltigem Wirtschaften im Sinne des Unternehmens und der Beschäftigten kann hier keine Rede sein. Sell wird als Goldesel für die klammen Investoren missbraucht“, bemängelt Bullmann. „Damit muss endlich Schluss sein. Die Beschäftigten von Sell brauchen eine vernünftige Perspektive, die ihren Fähigkeiten und ihrem hohen industriellen Leistungsstand Rechnung trägt.“

Scharfe Kritik übt der Sozialdemokrat in diesem Zusammenhang auch an der EU-Kommission: „Ihr Vorschlag zur Regulierung von Hedge Fonds und privaten Kapitalbeteiligungsgesellschaften ist kein schlüssiges Vorhaben. Der Entwurf gleicht vielmehr einem Flickenteppich mit vielen Löchern, der in erster Linie die Interessen der Industrie berücksichtigt.“ So sei etwa nur eine Registrierung der Manager geplant, während die Fonds selbst unbehelligt blieben. Auch gebe es keine Anforderungen an das Eigenkapital der Fonds oder ein Verbot schädlicher Leerverkäufe.

“Der Entwurf macht deutlich, dass die EU-Kommission nicht hinreichend aus der Krise gelernt hat. Nun muss das Europäische Parlament in der neuen Legislaturperiode dafür sorgen, dass Hedge Fonds und Private Equity tatsächlich an die Leine gelegt werden”, betont Bullmann abschließend.

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