"Ratingagenturen an die Leine legen"

Der Wirtschafts- und Währungsausschuss des Europäischen Parlaments hat Montagnacht über die Regulierung von Ratingagenturen abgestimmt. Dazu erklärte der SPD-Europaabgeordnete und Wirtschaftsexperte Dr. Udo Bullmann: “Die Finanzmarktkrise hat gezeigt, dass Ratingagenturen an die Leine gelegt werden müssen. Deshalb haben wir uns im Wirtschaftsausschuss für eine starke europäische Regelungskultur ausgesprochen. Ratingagenturen werden in Zukunft nicht mehr gleichzeitig beraten und Produkte bewerten dürfen. Darüber hinaus sollen für alle Ratings, die in Europa zur Geltung kommen, die gleichen europäischen Regeln gelten.”

Um das sicherzustellen, müssen sich Ratingagenturen in Zukunft in Europa registrieren lassen. Der Wirtschaftsausschuss schlägt hierfür den Ausschuss der europäischen Wertpapieraufseher vor, während sich die EU-Mitgliedstaaten für eine Aufsicht durch ihre nationalen Behörden aussprechen.

Nach Ansicht Bullmanns ist die Regulierung der Ratingagenturen längst überfällig: “Die sozialdemokratische Fraktion im Europäischen Parlament fordert seit 2002 die Interessenkonflikte bei den Ratingagenturen aufzulösen. Die Ratingagenturen haben die Krise mitverschuldet, deshalb sind Transparenz und Klarheit das Gebot der Stunde.”

Hintergrund:

Im Vorfeld der Finanzmarktkrise haben Ratingagenturen Bewertungen für Finanzprodukte abgegeben, die sie zuvor selbst für die Finanzinstitute entwickelt hatten. Bezahlt wurden die Bewertungen nicht vom Käufer sondern von den Finanzinstituten, die als Verkäufer agierten. Viele Finanzprodukte, darunter auch die verbrieften Kredite des US-Hypothekenmarktes, erhielten so Spitzenbewertungen, obwohl sie über keine direkte Kundenbeziehung mehr verfügten. Das Plenum des Europäischen Parlaments wird voraussichtlich Ende April über die Regulierung der Ratingagenturen abstimmen.