"Einspruch bei Rechnungslegungsstandards für KMU"

EP will demokratische Kontrolle für das International Accounting Standard Board (IASB).

Das Europäische Parlament hat sich heute mit großer Mehrheit für eine stärkere Überwachung des International Accounting Standard Board (IASB) und die von ihm ausgearbeiteten Rechnungslegungsstandards für kleine und mittlere Unternehmen (KMU) ausgesprochen. Dr. Udo Bullmann, SPD-Europaabgeordneter und Wirtschaftsexperte, kritisiert: “Das IASB ist keiner demokratischen Kontrolle unterworfen und es mangelt deutlich an Transparenz was die Finanzierung und die Festlegung von Zielvorgaben anbelangt.”

So habe das IASB ohne jegliches politisches Mandat damit begonnen, Rechnungslegungsstandards für KMU auszuarbeiten. “Es gibt zwar einen Bedarf an vereinfachten Regeln, aber diese können nur im Rahmen eines ordentlichen Gesetzgebungsverfahrens erlassen werden. Angesichts der starken inhaltlichen Kritik am Entwurf des IASB, gerade auch von Seiten kleiner und mittlerer Unternehmen in Deutschland, bleibt die EU aufgefordert, zunächst einmal die Betroffenen anzuhören”, betont Bullmann.

Ein Rechnungslegungsstandard für KMU müsse den verschiedenen Unternehmensformen wie etwa Genossenschaften oder Personengesellschaften in der EU Rechnung tragen. Darüber hinaus bedürfe es einer Definition für Eigenmittel, welche die besondere Situation der KMU berücksichtige. Außerdem sei darauf zu achten, dass Umfang und Komplexität des Standards kleine Familienbetriebe nicht überfordere. “Erst wenn diese Fragen zufrieden stellend geklärt sind, können wir über die Einführung von einheitlichen Rechnungslegungsstandards für KMU in der EU reden”, sagt Bullmann.

Was das IASB selbst anbelangt, so müsse über eine Einbindung in den Internationalen Währungsfonds, die Weltbank oder die Organisation für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung nachgedacht werden. Bei der Finanzierung des IASBs sei darauf zu achten, dass es zu keiner Verquickung von Interessen der Geldgeber und Anwender komme.

Hintergrund:

Die Aufgabe des IASB ist die Ausarbeitung von internationalen Rechnungslegungsstandards (Finanzberichterstattung). Hiermit soll der Tatsache Rechnung getragen werden, dass das Ziel dieser Standards nicht nur eine korrekte Rechnungslegung, sondern auch eine vollständige und transparente Finanzberichterstattung ist. Seit 2000 setzt die EU-Kommission durch ein besonderes Anerkennungsverfahren viele dieser Standards als verbindliches EU-Recht ein. Dadurch werden sie automatisch auch zu nationalem Recht. Kapitalmarktorientierte Unternehmen müssen seit 2005, bei der Aufstellung ihrer Abschlüsse die Internationalen Rechnungslegungsstandards anwenden.