Brüsseler Spitzen - "Blockademinister sollten sich ein Beispiel nehmen"

Blockademinister sollten sich ein Beispiel an den ehrenamtlichen Helfern nehmen

Die Situation der Flüchtlinge hat sich in den letzten Wochen dramatisch verschärft. Geschlossene Grenzen und volle Aufnahmelager erschweren die Umstände noch zusätzlich. Doch es gibt auch Lichtblicke. Die Bilder, die uns vor einigen Wochen aus München und Frankfurt erreicht haben, waren berührend. Beifall spendende Menschen haben Flüchtlinge nach ihrer langen und beschwerlichen Reise begrüßt und unzählige ehrenamtliche und professionelle Helfer gehen jeden Tag an ihre Belastungsgrenze. Diese Bilder haben Wirkung gezeigt. Sie gingen um die Welt und haben einen tiefen Eindruck im Rest Europas hinterlassen. Die Hilfsbereitschaft hat dabei selbst einigen ausländerfeindlichen Hardlinern die Sprache verschlagen. Viele Kollegen sind nach der Sommerpause auf mich zugekommen und haben mir erzählt, dass die Bilder aus Deutschland ein Umdenken in ihren Ländern angestoßen haben.

Ein weiteres Beispiel für Solidarität sind die vielen Mitarbeiter der Abgeordneten hier im Europaparlament. Sie wollten ebenfalls nicht mehr auf die zögerliche Reaktion der Mitgliedstaaten warten und haben das Heft selber in die Hand genommen. Innerhalb weniger Tage wurden hier so viele Sachspenden gesammelt, dass wir sie derzeit auf den Fluren zwischenlagern müssen. Die Erstaufnahmelager in Brüssel können aufgrund der hohen Spendenbereitschaft in Belgien derzeit kaum noch Spenden annehmen. Das Mitgefühl und die Hilfsbereitschaft gehen nicht spurlos an einem vorbei.

Jedoch ist all die aufopfernde Arbeit leider auch das Resultat eines Versagens der derzeitigen Flüchtlings- und Migrationspolitik. Die Lücke, die die Mitgliedstaaten offen lassen, kann nicht auf Dauer allein von ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern geschlossen werden. Es braucht das entscheidende solidarische Handeln der EU-Mitgliedstaaten und der Europäischen Union. Die Blockademinister sollten sich die Beispiele der vielen helfenden Menschen zu Herzen nehmen. Beim morgigen Sondergipfel der EU-Innenminister könnten erste Schritte für eine nachhaltige europäische Lösung erreicht werden. Und am Mittwoch erwarten wir von den Staats- und Regierungschefs deutlich mehr als Versprechungen.

Meine Kolumne “Brüsseler Spitzen” erscheint alle 14 Tage im Gelnhäuser Tageblatt und befasst sich mit aktuellen Themen aus Brüssel und Europa.