Helmut Schmidt – Die Sehnsucht nach Typen

Helmut Schmidt – Die Sehnsucht nach Typen

„Ein Großer“, so hört man überall. Helmut Schmidt, die Type, Schmidt Schnauze, Kettenraucher, Besserwisser, Mahner und Störer. Was könnten die Bürokraten in Ruhe wirken, wenn es diese Typen nicht gäbe! Helmut Schmidt, ganz er selbst, sprach 2011, gut zwei Jahre nach Ausbruch der Bankenkrise, zu seiner SPD in Berlin und sagte uns, was er von all dem hielt. Geprägt durch Krieg und Gewaltherrschaft mahnte er uns, dass die historische Verantwortung Deutschlands dazu führe, dass es in absehbarer Zeit nicht einfach nur ein normales Land werde und folglich auch immer eine besondere Rolle im Zusammenhalt Europas spielen muss. Im Hinblick auf die damals aufkommende „Eurokrise“ warf er allen beteiligten vor, dass sie seit der Bankenkrise nur wenig wirksame Hilfe zustande gebracht hätten.
Gerade deswegen aber kam er zu der logischen Notwendigkeit eines starken Europas – aus politischen wie aus ökonomischen Gründen. Als Mitherausgeber der Zeit sparte er auch nicht an Selbstkritik als er sagte: „Alles Gerede und Geschreibe über eine angebliche „Krise des Euro“ ist leichtfertiges Geschwätz von Medien, von Journalisten und von Politikern.“
Die große öffentliche Anteilnahme am Tode Helmut Schmidts und die Verehrung zu Lebzeiten zeigt, dass eine Sehnsucht herrscht: nach klaren Worten, nach festen Positionen und nach Orientierung in Zeiten wachsender Beliebigkeit. Die Menschen wollen eine Politik mit Gesicht und Charakter statt nach Umfragen. Wir brauchen einen offenen und fairen Wettstreit der Meinungen. Helmut Schmidt hat nie gezögert, sich einzumischen, zu streiten und zu schimpfen, auch wenn es nicht immer gut ankam und er sicherlich auch nicht immer mit allem Recht hatte. Er hat noch erlebt, dass Demokratie weder selbstverständlich noch ein Selbstläufer ist. Daher haben viele seiner Generation Demokratie und Rechtsstaat mit Zähnen und Klauen verteidigt. Nun ist er, ganz gewiss einer der bedeutendsten Politiker Deutschlands von uns gegangen.
Statt durch leere Worte und Ansprachen an ihn zu erinnern, sollten wir in seinem Sinne handeln. Helmut Schmidt hat viel hinterlassen, wonach wir uns richten können, sehr einprägsam und noch immer aktuell ist zum Beispiel diese Aussage seiner Europarede 2011 in Berlin: „Die sehr große und sehr leistungsfähige Bundesrepublik Deutschland braucht – auch zum Schutze vor uns selbst! – die Einbettung in die europäische Integration.“