Brüsseler Spitzen - Europäische Politik-gefordert auch am Amazonas

Brüsseler Spitzen - Europäische Politik - gefordert auch am Amazonas

Als Abgeordneter im Europäischen Parlament trifft man sehr viele Bürgerinnen und Bürger, Wirtschaftsvertreter und andere Politiker. Einen ganz besonderen Besuch habe ich vor wenigen Wochen empfangen dürfen. Vertreterinnen und Vertreter der Guarani Kaiowa, einer indigenen Bevölkerungsgruppe aus Brasilien. Sie suchten die Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten im Europäischen Parlament auf, um ihnen ihre Ängste und Nöte zu schildern. Die Berichte über ihre Lebenslage, die sozialen Missstände und ihren täglichen Kampf ums Überleben sind ein trauriges Beispiel für die Ungerechtigkeiten in unserer modernen Welt. Sie zeigen einmal mehr, wie wichtig es ist, dass die Europäische Union aktiv mit ihrer Außenpolitik, insbesondere ihrer Außenhandelspolitik dazu beiträgt, die Arbeits- und Lebensbedingungen der Menschen weltweit zu verbessern.

Die Guarani sind eines der ersten Völker, die vor mehr als 600 Jahren von den Europäern in Südamerika entdeckt wurden. Etwa 30.000 Menschen gehören der Gruppe der Guarani Kaiowa an, die hauptsächlich in Brasilien leben. Es handelt sich um ein äußerst spirituelles Volk, das sich seit Jahrhunderten auf der Suche nach dem „Land ohne Übel“ und der ewigen Ruhe befindet. In den letzten 100 Jahren wurden sie von ihren Ländereien vertrieben und leben heute in kleinen Schutzgebieten, die von großen Plantagen und Viehweiden umgeben sind. Besonders besorgniserregend schildern die Vertreterinnen und Vertreter der indianischen Volksgruppe die Situation die Kaiowa im brasilianischen Bundesstaat Mato Grosso do Sul. Die dort lebenden Menschen wurden aus ihren Wäldern vertrieben und manche von ihnen leben nun unter schrecklichsten Bedingungen, in Planenzelten am Straßenrand. Meistens bewegen sie sich am Rande des Existenzminimums, erfahren soziale Ausgrenzung und arbeiten unter den schrecklichsten Bedingungen auf den Plantagen. Eine Beschreibung, die an die Erzählungen der schlimmsten Zeiten der Kolonialisierung erinnert.
Die brasilianische Industrie hat einen hohen Grad an internationaler Beteiligung, insbesondere im Biotreibstoffbereich und an den Zuckerrohrplantagen. Vom industriellem Standort Brasilien aus wird Handel mit der ganzen Welt betrieben. Unser Konsum- und Investitionsverhalten hat folglich auch immer direkte Auswirkungen auf Menschenleben in der ganzen Welt, selbst im brasilianischen Amazonas. Dieses Beispiel der Lebensverhältnisse und die Lage der Guarani Kaiowa zeigen einmal mehr wie wichtig Regeln für die globalisierte Wirtschaft sind. Kapitalinteresse dürfen niemals vor die Sicherheit und Würde des menschlichen Lebens gestellt werden. Die globalisierte Wirtschaft braucht einen fairen und gerechten Handel. Als Europäische Union müssen wir mit unserer Wirtschaftspolitik und den Abkommen, die wir mit anderen Teilen der Welt treffen, bindende Nachhaltigkeits- und Arbeitnehmerschutzregelungen sowie faire Rahmenbedingungen für globales Wirtschaften im Allgemeinen setzen. Die Guarani Kaiowa sind ein trauriges Beispiel dafür, was eine globalisierte Wirtschaft ohne Regeln und demokratische Kontrolle anrichten kann.
Wir werden auch den politischen Druck auf die brasilianische Regierung erhöhen, denn diese schützt bisher die Rechte der indigenen Völker nicht ausreichend und lässt wirtschaftliche Interessen vorgehen.
In den nächsten Wochen wird es darum gehen, eine entsprechende Entschließung im Europäischen Parlament zu verabschieden. Wir hoffen dafür eine ausreichende Unterstützung bei anderen Fraktionen gewinnen zu können. Über das Ergebnis werde ich Sie weiter informieren.

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