23. November 2007

Generation Praktikum - raus aus der Sackgasse!

Eine solide Ausbildung oder ein abgeschlossenes Studium gelten gewöhnlich als Garant für den Einstieg ins Berufsleben. Es gibt jedoch eine ganze Reihe junger Menschen, bei denen die Realität heute anders aussieht. Immer mehr von ihnen werden nämlich als billige Arbeitskräfte missbraucht. Sie schleppen sich eher schlecht als recht von einem Praktikum zum nächsten. Dabei ist ein Praktikum eigentlich etwas sehr sinnvolles. Es bietet Schülern, Auszubildenden und Studierenden die Möglichkeit, ihr erworbenes Wissen anzuwenden, Erfahrungen in der Praxis zu sammeln und sich beruflich zu orientieren.

Darüber hinaus erhöht ein Praktikum durchaus die Chancen auf eine spätere Beschäftigung. Bewerber haben daher nicht selten neben ihrem Berufs- oder Studienabschluss mehrere Praktika vorzuweisen. Wer da nicht mithalten kann, hat auf dem Arbeitsmarkt schnell das Nachsehen. Diese Situation nutzen manche Arbeitgeber aus. Sie stellen frische Absolventen zu schlechten Arbeitsbedingungen als Praktikanten ein. Urlaubsanspruch, Überstundenausgleich oder angemessene Vergütung - Pustekuchen. Nach zwei, drei Monaten sind die Praktikanten eingearbeitet und übernehmen die Aufgaben von regulär Beschäftigten. Eine klare Fehlentwicklung auf dem Arbeitsmarkt. Die Praktikanten ihrerseits nehmen die Ausbeutung gezwungener Maßen in Kauf, bleibt ihnen doch die vage Hoffnung auf eine spätere Beschäftigung oder zumindest ein Pluspunkt im Lebenslauf.

Die billigen Arbeitskräfte erfreuen sich so zunehmender Beliebtheit. Immer mehr Firmen, Organisationen und sogar öffentliche Institutionen bieten Praktika an. Mittlerweile hat sich ein regelrechter "Arbeitsmarkt für Praktikanten" entwickelt. Allein im Juni 2006 zählte die Agentur für Arbeit rund 600.000 Praktikanten in Deutschland. Nach Angaben des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) machen etwa 40 Prozent aller Hochschulabsolventen nach ihrem Abschluss ein Praktikum. Mehr als 50 Prozent von ihnen hat das Praktikum bei ihrem beruflichen Fortkommen nicht geholfen.

Um auf die Situation der Praktikanten aufmerksam zu machen, hat sich das europäische Netzwerk 'Generation P' (P steht für prekär) gegründet. Bei einer Konferenz im Europäischen Parlament stellten die Beteiligten ihre Forderungen für europäische Mindeststandards bei Praktika vor. Dazu zählt unter anderem eine zeitliche Begrenzung, um Dauerpraktika zu verhindern. Die Vergütung sollte angemessen sein und auch bei den Sozialstandards sind die Arbeitgeber in der Pflicht. In Deutschland unterstützt unter anderem die DGB-Jugend die Kampagne des Netzwerks. Unter http://www.dgb-jugend.de gibt es weitere Informationen.


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