Galileo: Ein neues Zeitalter beginnt
Was waren das doch für Zeiten. Als man während Autofahrten anhalten musste, um auf einer Karte nach Straßen zu suchen. Als man sich über verpasste Ausfahrten, Staus und lange Umwege ärgerte. Und als der Streit über den schnellsten Weg in den Urlaub viele Beziehungen auf eine harte Probe stellte. Im Zeitalter der Sattelitennavigation gestaltet sich das Reisen heute viel angenehmer - vorausgesetzt man besitzt ein entsprechendes Navigationsgerät. Zur Freude der Verkehrsteilnehmer sinken jedoch die Preise stetig, so dass immer mehr Geräte im Umlauf sind.
Die Technik basiert dabei auf dem amerikanischen Navigationssystem GPS (Global Positioning System). Es hat jedoch den Nachteil, dass es für bestimmte Anwendungen, wie etwa die Landung von Flugzeugen, nicht genau genug ist. Darüber hinaus wird es vom amerikanischen Militär kontrolliert. So behalten sich die USA bis heute vor, das GPS im Falle einer militärischen Bedrohung abzuschalten. Angesichts der steigenden Bedeutung der Sattelitennavigation im Bereich der Wirtschaft und des öffentlichen Lebens ein Schreckenszenario.
Die Anwender müssen sich darauf verlassen können, dass die Sattelitennavigation einwandfrei und präzise funktioniert und zwar immer und überall. Die Europäische Union baut daher ein eigenes Sattelitennavigationssystem auf. Bis 2013 werden dafür 30 Satteliten ins All geschossen. Das nach dem italienischen Astronom Galileo Galilei benannte System soll allerdings nicht nur die Unabhängigkeit gegenüber den Vereinigten Staaten stärken. Vielmehr wird es auch um ein vielfaches genauer sein als das heutige GPS. Damit können Flugzeuge dann auch bei schlechtem Wetter landen, verschlüsselte Polizeinachrichten sind besser gegen Störungen gesichert und bei Unfällen kann eine direkte Kommunikation mit Notsendern hergestellt werden. Galileo wird dabei mit dem amerikanischen GPS kompatibel sein. Somit können auch alte GPS-Geräte die neuen Satteliten nutzen. Insgesamt stehen den Anwendern in Zukunft dann insgesamt 60 Satteliten zur Navigation zur Verfügung.
Die Europäische Union stellt für dieses Projekt in den nächsten fünf Jahren 3,4 Milliarden Euro zur Verfügung. Das ist viel Geld, allerdings wird hiermit auch erstmalig eine europäische Infrastruktur geschaffen, die allen 27 Mitgliedsstaaten gleichermaßen zugute kommt. Zum Vergleich: der Bau der ICE-Trasse Köln-Frankfurt hat rund 6 Milliarden Euro gekostet. Zudem sollen im Zuge des Aufbaus und des Betriebs von Galileo etwa 150.000 qualifizierte Arbeitsplätze entstehen - viele davon in Deutschland.