Eine funktionierende Marktwirtschaft braucht Investoren, die ihr Kapital in Firmen und Betrieben anlegen. Dabei haben leider nicht alle die langfristigen Interessen der Unternehmen und ihrer Belegschaften im Blick. Für einige der Hedge Fonds und Private-Equity-Gesellschaften zählt nur der schnelle Euro. Ohne Rücksicht auf Verluste. Franz Müntefering hatte sie als Heuschrecken bezeichnet. Auch bei uns in Hessen gibt es Beispiele dafür, wie ausländische Finanzinvestoren die deutsche Unternehmenskultur mutwillig aufs Spiel setzen. So etwa in Hanau. Dort wurde das 1923 gegründete Traditionsunternehmen Hanauer Vacuumschmelze (VAC) 2005 von einem amerikanischen Finanzinvestor übernommen.
Während das Management fürstliche Abfindungen erhielt, schauen die 1.500 Beschäftigen in die Röhre. Ohne den Betriebsrat zu informieren, ist die Hanauer VAC aus dem Flächentarifvertrag mit der hessischen Metall- und Elektroindustrie ausgestiegen. Niedriglöhne, längere Arbeitszeiten und der Verzicht auf Sozialleistungen sollen den Gewinn steigern. Begründet wird der Sozialabbau unter anderem mit den hohen Schulden des Unternehmens. Kein Einzelfall.
Verschwiegen wird dabei häufig, dass die Geschäftspraktiken der Hedge Fonds und Private-Equity-Gesellschaften selbst für die Schulden verantwortlich sind. Der Kauf eines Unternehmens wird über Kredite finanziert. Diese Schulden wiederum werden später einfach auf den übernommenen Betrieb abgewälzt. Ein gesundes Unternehmen wird so über Nacht zum Sanierungsfall. Die Zeche zahlen die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer.
Diesem Treiben will die Sozialdemokratische Fraktion im Europäischen Parlament endlich Einhalt gebieten. Sie hat daher einen Initiativbericht über den Umgang mit Hedge Fonds und Private-Equity-Gesellschaften ausgearbeitet. Darin wird die EU-Kommission aufgefordert, Regeln für die Geschäftspraktiken von Finanzinvestoren zu erlassen. Die Konservativen und Neoliberalen halten dagegen und versuchen, den Bericht zu verwässern. Sie sehen die Regulierung von Hedge Fonds und Private-Equity-Gesellschaften als eine Beschneidung der unternehmerischen Freiheit. Wohin diese Freiheit führen kann, zeigt die seit einem Jahr anhaltende Finanzmarktkrise nur zu deutlich. Profitgier, verantwortungslose Risikobereitschaft und unternehmerisches Versagen haben die Finanzwelt gewaltig ins Schleudern gebracht. Märkte brauchen Regeln - auch um sie vor sich selbst zu schützen.