17. März 2009

Deutschland Nachzügler bei Gleichstellung

Deutsche Frauen verdienen im Durchschnitt 23 Prozent weniger als ihre männlichen Kollegen und schneiden damit im Europavergleich schlecht ab. Denn in der Europäischen Union beträgt der Lohnabstand durchschnittlich 17 Prozent. Das heißt, dass in Deutschland rein rechnerisch Frauen bei gleicher Qualifikation und Erfahrung im Vergleich zu Männern etwa 77 Tage im Jahr ohne Bezahlung arbeiten! Einem Bericht der Europäischen Kommission zufolge öffnet sich die Einkommensschere auch weiterhin.

Der Blick auf die Chefsessel in der Republik zeigt außerdem, dass Frauen auch in Führungspositionen unterrepräsentiert sind.  Nur etwa 7 Prozent aller Aufsichtsratsmitglieder der 1.100 börsennotierten Unternehmen sind weiblich. Und das obwohl Frauen an den Universitäten erfolgreicher sind. Sie studieren schneller und schließen mit besseren Noten ab. Im Jahr 2007 wurden 145.400 Abschlüsse von Frauen erreicht, im Vergleich zu 141.000 Abschlüssen von Männern. Später im Berufsleben übernehmen allerdings die Männer wieder die Führung.

In der Debatte über die verfehlte Gleichstellung werden viele Gründe für die Benachteiligung von Frauen angeführt. Angefangen bei der Studien- und Berufswahl über die Auszeit zur Kindererziehung bis hin zu mangelnder Durchsetzungsfähigkeit. Fest steht, dass im Alter zwischen 30 und 49 Jahren Männer viermal häufiger ihren Beruf ausüben als Frauen. Dies hängt sicherlich in erster Linie mit noch mangelnder Kinderbetreuung und einer wenig verbreiteten familienfreundlichen Personalpolitik in Unternehmen zusammen.

An guten Beispielen für eine moderne Frauenpolitik mangelt es allerdings nicht. In meiner Partei, der SPD, müssen bereits seit 1988 alle Spitzenämter zu 40 Prozent mit Vertretern beider Geschlechts besetzt sein. Norwegen setzte 2006 als erstes Land der Welt per Gesetz eine Frauenquote von 40 Prozent in Aufsichtsräten durch. Damit ist auch in Deutschland die Diskussion entbrannt, ob die Politik zur Förderung von Frauen in der Arbeitswelt nicht weiter eingreifen sollte.

Der SPD-Parteivorsitzende Franz Müntefering hat angeregt, eine Frauenquote von 40 Prozent für Aufsichtsräte festzuschreiben. Dies trifft auf den Widerstand von Unionschefin Angela Merkel. Eine solche Frauenquote wäre jedoch nicht nur ein wichtiger Beitrag zur Gleichstellung von Mann und Frau. Studien belegen darüber hinaus, dass bei Unternehmen mit einem hohen Frauenanteil in der Führungsebene die Rendite im Durchschnitt um ein Zehntel höher ausfällt.


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